3.3 Direkte Umweltaspekte – Standort Kläranlage
Umweltaspekt | Umweltauswirkung | Bedeutung |
|---|---|---|
Einleitung von mechanisch-biologisch gereinigtem Abwasser in Fließgewässer | Einfluss des gereinigten Abwassers auf die Wasserqualität der Donau | hoch |
Energieeinsatz | Vermeidung fossiler Ressourcen durch Nutzung erneuerbarer Energieträger für die Produktion von Strom und Wärme | hoch |
Reststoffe aus der Abwasserreinigung | Emissionen | hoch |
Energieerzeugung (Emissionen nach der Abgasreinigung) | Emissionen (CO2eq, NOx, SO2) in die Luft | mittel |
Geruch | Emissionen in die Luft | mittel |
Abfall | Emissionen | mittel |
Fällmittel | Rohstoffverbrauch | mittel |
Grundwasser | Ressourceneinsatz | mittel |
Treibstoffverbrauch | Emissionen | mittel |
Biodiversität | Veränderungen des Lebensraumes von Tieren und Pflanzen | mittel |
Kalkhydrat | Rohstoffverbrauch | gering |
Flockungshilfsmittel für die Rohschlammeindickung | Rohstoffverbrauch | gering |
Aktivkohle | Rohstoffverbrauch | gering |
Trinkwasser | Ressourceneinsatz | gering |
Lärm | Emissionen | gering |
Einleitung von mechanisch-biologisch gereinigtem Abwasser in Fließgewässer
Die Reinigung der gesamten in Wien anfallenden Abwässer aus Haushalten, Gewerbe und Industrie ist die Hauptaufgabe der von der ebswien betriebenen Wiener Kläranlage. Sie hat eine hohe Umweltauswirkung. Durch die Abwasserreinigung auf dem Stand der Technik stellen wir sicher, dass die Wasserqualität der Donau erhalten bleibt.
Energieeinsatz
Auf Grund des hohen Energiebedarfs in den Kernprozessen der Abwasserreinigung und der Schlammbehandlung ist der Verbrauch von elektrischer Energie von hoher Bedeutung. Die Energiedaten werden laufend und detailliert erfasst und dienen als Grundlage für Analysen, zur Beurteilung der zukünftigen Entwicklung und zur Planung von Maßnahmen. Durch eine optimierte Betriebsweise der Schlammfaulung wird eine maximale Klärgasproduktion und damit eine maximale Strom- und Wärmeproduktion angestrebt. Der Strombedarf der Kläranlage, der dem Verbrauch von ca. 25.000 Wiener Haushalten entspricht, wird durch die Stromproduktion aus Klärgas, das bei der Schlammfaulung entsteht, im Jahresmittel zur Gänze gedeckt. Die überschüssige Strommenge wird in das Netz der Stadt Wien eingespeist. Die aus der Klärgasverbrennung gewonnene Wärmemenge wird für die Erwärmung des Faulschlamms, die Warmwasser- und Heizungsversorgung der Betriebsgebäude sowie als Energiequelle für die Absorptionskältemaschine verwendet. Der Überschuss wird in das Wiener Fernwärmenetz eingespeist. Die aus Klärgas und mit Photovoltaik, Solarthermie, Windkraft und Wasserkraft erzeugte Öko-Energie wird direkt in der Kläranlage genutzt und reduziert damit die über das Netz bezogene Menge an elektrischer Energie und Wärme.
Zur Instandhaltung der Anlage wird eine Reihe von Nutzfahrzeugen und Geräten eingesetzt, die mit elektrischer Energie betrieben werden.
Die Abwassermenge, die jährlich in die Wiener Kläranlage gelangt, unterliegt Schwankungen. Der Grund dafür: Neben dem kommunalen und dem industriellen Abwasser gelangt auch das von befestigten Flächen abfließende Regenwasser in die Kanalisation und damit in die Kläranlage. Das hat direkte Auswirkungen auf den Energieverbrauch: Unterschiedliche Zulaufmengen mit schwankender Zusammensetzung des Rohabwassers beeinflussen den Strombedarf. Die größten Energieverbraucher auf der Kläranlage sind die Belüftungseinrichtungen, die rund zwei Drittel des gesamten Stroms benötigen, weitere 20 Prozent dienen zum Betrieb der Pumpwerke.
Reststoffe aus der Abwasserreinigung
Bei der Abwasserreinigung fallen große Mengen an Feststoffen und Klärschlamm an, deren Quantität von der Kläranlage nicht beeinflusst werden kann. Die Reststoffe, die aus dem Abwasser entfernt werden, unterliegen Schwankungen, da sich die Abwasserzusammensetzung und die darin enthaltenen Feststoffe ändern. Der Klärschlamm und die Feststoffe aus der Abwasserreinigung werden in einem EMAS-zertifiziertem Unternehmen behandelt. Das Klärgas wird nach dem Stand der Technik behandelt (Trocknung, Entschwefelung, Aktivkohlefilter, Verbrennung in Gasmotoren, Gaskessel, Oxidationskatalysator). Durch die Vermeidung von fossilen Brennstoffen zur Strom- und Wärmeerzeugung kommt es zu einer Reduzierung der äquivalenten CO2-Emissionen.
Energieerzeugung (Emissionen nach der Abgasreinigung)
Die Verbrennung des Klärgases in den Gasmotoren erfolgt durch eine Regelung des Luft/Gas-Gemischs, um einen optimalen Wirkungsgrad und eine optimale Verbrennung hinsichtlich der Abgase zu erzielen. Das Abgas wird über einen Abgaskatalysator geleitet. Die Parameter CO, NOx, SO2 und Staub werden gemessen, mit einer entsprechenden Betriebsweise der Blockheizkraftwerke wird die Einhaltung der Grenzwerte sichergestellt.
Bei den Treibhausgasen werden die Emissionen an CH4 (Methan), N2O (Distickstoffmonoxid), fluorierten Kohlenwasserstoffen, perfluorierten Kohlenwasserstoffen und SF6 (Schwefelhexafluorid) nicht gemessen bzw. besteht keine gesetzliche Verpflichtung zur Messung dieser Gase.
Geruch
Die Abluft aus den Bereichen Schotterfang, Schneckenpumpwerk, Rechenanlage, Sandfang, Schlammbehandlung (Dekanterhalle) und Eindicker wird über Biofilter gereinigt. Bei Revisionen in der biologischen Stufe wird der Arbeitsablauf derart organisiert, dass die Geruchsbelastung so gering wie möglich gehalten wird. Im Fall von einer externen Anfrage wird die Ursache ermittelt (Kläranlage oder andere Ursache), und das Ergebnis mit der jeweiligen Person besprochen.
Abfall
Bei der Instandhaltung und der Abwasserkontrolle sowie bei der Sanierung und dem Neubau von Anlagenteilen fallen gefährliche und nicht gefährliche Abfälle an, die getrennt gesammelt und umweltgerecht behandelt werden. Es wird versucht, neben der Abfallvermeidung so viel wie möglich zu recyceln, um die Umweltauswirkung durch die Abfälle so gering wie möglich zu halten. Die Abfallarten, deren Menge und die Behandlung werden jährlich ausgewertet und für Optimierungen der betrieblichen Abfallwirtschaft herangezogen. Die Menge der betrieblichen Abfälle unterliegt Schwankungen infolge unterschiedlicher Instandhaltungsarbeiten und Anlagenrevisionen.
Nach einem Intervall von fünf Jahren wird routinemäßig das Biofiltermaterial erneuert, um die Reinigungsleistung des Biofilters sicherzustellen.
Fällmittel
Mit der Dosierung eines Fällmittels wird gelöster Phosphor in eine ungelöste (feste) Form übergeführt, so dass dieser sedimentiert und damit aus dem Abwasser entfernt werden kann.
Das für die Phosphor-Entfernung notwendige Fällmittel wird in Abhängigkeit der Phosphor-Zulauffracht, die von der Kläranlage nicht beeinflusst werden kann, dosiert, wobei auf einen sparsamen und effizienten Einsatz geachtet wird. Das Fällmittel wird in der Regel mit der Bahn angeliefert, um die Umweltauswirkungen im Vergleich zu einer Lieferung mit dem LKW so gering wie möglich zu halten.
Grundwasser
Grundwasser wird für die Reinigung von Anlagenteilen (Becken und Gerinne), Beckenbefüllungen und die Bewässerung von Grünflächen verwendet. Im Falle der Bewässerung wird ein Teil wieder dem Grundwasser zurückgeführt. Die gemäß Bescheid zulässige Grundwasserentnahmemenge aus dem Brunnen am Betriebsgelände wird eingehalten.
Treibstoffverbrauch
Der Treibstoff wird für den Fuhrpark (Saugwagen, Kipper mit Ladekran, Kehrmaschine etc.) verwendet.
Aufgrund von Revisionen in der Kläranlage und unterschiedlichen Instandhaltungstätigkeiten ergeben sich unterschiedliche Fahrstrecken am Betriebsgelände und Einsatzzeiten für diese Fahrzeuge und damit Änderungen im jährlichen Treibstoffverbrauch. Es werden emissionsarme LKW und Elektrofahrzeuge eingesetzt.
Biodiversität
Das Anlagengelände ist größer als der Vatikan. Die Integration der Abwasserreinigungs-anlagen im Betriebsgelände ist derart gelöst, dass auf ca. 36 Prozent des Betriebsareals Grünflächen als Lebensraum für Kleintiere und Pflanzen verfügbar sind. Ein eigens errichtetes Biotop dient als aquatischer Lebensraum für die dort ansässigen Tiere und Pflanzen. Die Wiener Kläranlage ist auch die Heimat von mehreren Bienenvölkern. Die Qualität des nach biologischen Kriterien produzierten Honigs wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.
Zur Unterstützung der Klimastrategie der Stadt Wien betreibt die ebswien ein umfassendes Grünflächenmanagement. Dieses umfasst alle ökologischen und ökonomischen Aufgaben im Zusammenhang mit der Gestaltung, Versorgung und Pflege von Grünflächen.
Im Jahr 2025 lag der Schwerpunkt auf der gezielten Auswahl und Umstellung geeigneter Grünflächen auf eine extensive Bewirtschaftung. Dabei wurden insbesondere jene Flächen identifiziert, die ein hohes Potenzial zur Förderung der Biodiversität aufweisen, sich durch einen geringen Pflegeaufwand auszeichnen und zur Vernetzung von Lebensräumen beitragen können. Die ebswien verzichtet bei der gesamten Grünflächenpflege auf den Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln.