Umwelterklärung 2026
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2.1 Standort Kläranlage

2. Standorte

In der im Jahr 1980 in Betrieb gegangenen und im Jahr 2005 massiv erweiterten Wiener Kläranlage werden sämtliche Abwässer der Wiener*innen gereinigt. 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr. Jährlich fallen rund 200 Millionen Kubikmeter an Abwasser an, pro Sekunde also mehr als 6.000 Liter. Der Reinigungsprozess in der Kläranlage dauert 20 Stunden, das Abwasser durchläuft zunächst eine mechanische Reinigungsstufe und anschließend zwei biologische Reinigungsstufen.

Das Foto zeigt einen Mitarbeiter der Wiener Kläranlage im weißen Labormantel, der zwei Imhof-Trichter hält, die den braun gefärbten Zulauf (beschriftet mit "Input") beziehungsweise den farblosen Ablauf (beschriftet mit "Output") enthalten. Das Bild zeigt den 20 Stunden dauernden Abwasserreinigungsprozess in der Wiener Kläranlage somit auf einen Blick. © Christian Houdek

Abwasserreinigung auf einen Blick

Mechanische Reinigungsstufe

In der mechanischen Reinigungsstufe der Wiener Kläranlage geht es den Feststoffen im Abwasser an den Kragen, von großen Dingen wie Holzstücken, die im Kanal gelandet sind, bis zu kleinsten Sandkörnern. Über den Schotterfang gelangt das Abwasser in das Schneckenpumpwerk: Hier wird das gesamte Wiener Abwasser um rund fünf Meter gehoben. Dann kann es den Rest der mechanischen Reinigungsstufe wieder im freien Gefälle durchlaufen. Zwei Reihen von riesigen Rechen „kämmen“ anschließend Feststoffe aus dem Abwasser. Im Sandfang und in der Vorklärung sinken feine und feinste Partikel zu Boden. Im Jahr 2025 fielen in der mechanischen Reinigungsstufe mehr als 7.800 Tonnen Feststoffe an.

Entfernte Stoffe 2025

Tonnen

Schotterfanggut

457

Rechengut

6.483

Sandfanggut

929

Das Foto zeigt die Grobrechenanlage der Wiener Kläranlage, aufgenommen mit einem "Fischaugen"-Objektiv. © Christian Houdek

Grobrechenanlage der Wiener Kläranlage

Biologische Reinigungsstufen

Die beiden biologischen Reinigungsstufen funktionieren nach dem Vorbild der Natur. Wie in natürlichen Fließgewässern leben in den Belebungsbecken Mikroorganismen, die man auch als Belebtschlamm oder Biomasse bezeichnet. Durch die Zufuhr von Sauerstoff aus der Luft kommt es zum biologischen Abbau der im Abwasser enthaltenen gelösten Verunreinigungen (Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor).

In den an die Belebung anschließenden Ruhezonen, den Zwischenklär- und den Nachklärbecken, sinkt der Belebtschlamm zu Boden. Ein Teil des Belebtschlamms geht zurück in die Belebungsbecken, um den Bestand an Biomasse aufrecht zu erhalten. Primärschlamm aus der Vorklärung und der Überschussschlamm aus den biologischen Reinigungsstufen gelangen in die Schlammeindicker. Dort wird dem Schlamm Wasser entzogen (statische Eindickung). Der erste Schritt zur Gewinnung von Öko-Energie aus dem „Restprodukt“ der Abwasserreinigung.


Entfernte Stoffe 2025

Tonnen

Organischer Kohlenstoff

33.377

Stickstoff gesamt

9.200

Phosphor gesamt

1.678

Das Foto zeigt eine junge Frau, die den Schaubelüfter der Wiener Kläranlage betrachtet.  © Christian Houdek

„Schaubelüfter“ der Wiener Kläranlage

Öko-Kraftwerk Kläranlage

Abwasserreinigung ist ein energieintensiver Prozess. Zur Reinigung sämtlicher Wiener Abwässer verbraucht die Kläranlage so viel Strom wie 25.000 Wiener Haushalte. Zwei Drittel des Stroms benötigen die Mikroorganismen, die die Schmutzstoffe aus dem Abwasser entfernen, zum Atmen. Seit Jahren stand daher das Thema Energie bereits im Fokus der ebswien. Nach Abschluss des Projekts E_OS – Energie_Optimierung Schlammbehandlung erzeugt die Wiener Kläranlage seit Jahresbeginn 2021 in ihrer Schlammbehandlungsanlage mehr Öko-Energie (Strom und Wärme), als sie für den Betrieb benötigt. Die Kläranlage ist also auch ein echtes Öko-Kraftwerk und trägt zur Verbesserung der Wiener Klimabilanz bei. Für die erfolgreiche Umsetzung des Transformationsprozesses von einer großen Energieverbraucherin zur klimapositiven Kläranlage erhielt die ebswien den im Jahr 2021 erstmals verliehenen „Nachhaltigkeitspreis der Stadt Wien“.

Das Bild zeigt eine Aufnahme der sechs jeweils 30 Meter hohen Faulbehälter der Wiener Kläranlage von Süden. Im Vordergrund sind Teile eines Nachklärbeckens der Kläranlage zu sehen. © Christian Houdek

Faulbehälter der Wiener Kläranlage